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Sportjahr 2010



"Tickern im Takt von Ballack, Poldi und Co."

Fußball-Live-Ticker im Internet gehören heute ebenso zur unverzichtbaren Sportberichterstattung wie bewegte TV-Bilder, spektakuläre Fotos, ausführliche Spielberichte und kurze Meldungen. Aber wo kommen die Live-Ticker im Netz eigentlich her? - Für dpa-Volontäre ist die SportsLive-Redaktion "Pflicht-Station" im Rahmen ihrer Ausbildung. Hier also ein subjektiver Blick hinter die Kulissen von dpa-SportsLive. Von Marco Hadem, dpa.

Immer wenn König Fußball in Form von Länderspielen, Champions League, Pokal, Bundesliga und Co. auf dem Plan steht, ist an den Rechnern bei SportsLive hektisches Treiben angesagt. Dann heißt es für die Tickerer: Tickern im Takt von Ballack, Poldi und Co.

Gut vorbereitet in das Spiel

Etwa eine halbe Stunde vor dem Anpfiff treffen die Tickerer in der Redaktion ein. Während der Rechner noch hochfährt, wird der Sportkanal gesucht. Denn bereits vor dem Anstoß der Kicker auf dem Platz will die Internetgemeinde fachkundig unterhalten werden. Infos und Vorberichte zur jeweiligen Partie, den Wettbewerben, Aufstellung, Taktik werden hier ebenso kurz und knackig erzählt, wie kernige Zitate der Protagonisten und vermeintlichen Experten.

Kurz, bündig, spannend

Wenn der Anstoß erfolgt, sind in der Regel bereits die ersten fünf bis zehn Meldungen im Ticker. War zuvor eine gute Vorbereitung die halbe Miete, ist jetzt spontanes Fachwissen gefragt. Praktisch im Minutentakt, zumindest bei guten Spielen, feuern die Tickerer Wissen und – ausdrücklich gewünscht – Meinung unter das Fan-Volk. Kurz, bündig und spannend. Denn wer lange Texte mit Tiefgang sucht, wird sich kaum in einem Fußball-Live-Ticker wiederfinden. Und wenn doch, wird er schnell das Weite suchen.

Trainingsmodus für Volontäre

Während die akribisch ausgewählten "Ticker-Profis" ihr Programm sehr routiniert und souverän abspulen, wurde mir als erfahrenem Tickerleser schnell die eigene Grenze aufgezeigt. Denn neben der richtigen, und nicht zu vergessen auch schnellen (jede Sekunde zählt!) Analyse, müssen jeder Meldung diverse Einstellungen mitgegeben werden: Wappen des Vereins, über den gerade geschrieben wird, Symbole für Tor (weißer Ball), Eigentor (roter Ball), Gelbe Karte, Rote Karte, Gelb-Rote Karte, Fazit und so weiter und so weiter. Da zahlt sich der “Trainingsmodus” für die Volontäre aus – denn keine der Volo-Zeilen erreicht die Kunden. Sie bleiben im Textspeicher des Programms.

Animation und Statistik

Richtig komplex wird es dann aber bei Einwechselungen und Elfmetern: So ist das Elfmetersymbol für einen verschossenen Strafstoß ein anderes als für einen verwandelten, von der Reihenfolge der Namen bei Ein- und Auswechselungen und der Auswahl der Meldungen für die Konferenzen einmal ganz zu schweigen.

Damit die Grafiken dann auch richtig angezeigt werden, kommen neben dem Feed der Live-Tickerer noch umfangreiche Statistikdaten dazu: Eckenverhältnis, Fouls, Offensivverhalten, Ballbesitz,

3:3 trennten sich der HSV und Schalke am am 25. Oktober - ein Spiel voller Spannung bis zum Ausgleich in der 90. Minute.

Über das CMS geben die Tickerer den Live-Text und Aktionen für die Zeitleiste, wie Tore oder Gelbe Karten ein.

In der SportsLive-Grafik fließen Ticker-Meldungen und Statistiken zu dem umfangreichen Gesamtangebot zusammen.

Zahl der Pässe, Torschüsse auf, neben oder über das Tor, Zweikämpfe in der Luft und am Boden, Ballkontakte, Pässe zum Mitspieler, abgefangene Flanken - den Scouts der Partnerfirma Opta Sport Daten in London entgeht kein Tackling auf dem Rasen, keine Flanke, kein Pass. Als XML-Daten fließen die vielen Aktionen laufend in SportsLive ein, wo aus ihnen animierte Ecken-, Torschuss- und viele andere Grafiken erzeugt werden.

Ein Spiel hat 145 Minuten

Neben der "normalen" Hektik ist die Übertragungsgeschwindigkeit ins Netz der größte "Gegenspieler" der Tickerer – da werden nach dem Klick auf das "Senden"-Symbol gemessene Sekunden zu gefühlten Minuten. Wer allerdings glaubt, bei den Tickerern gilt das alte Herberger-Zitat "Ein Spiel dauert 90 Minuten", liegt falsch: Inklusive der Vorberichte, Halbzeitfazits und Resümees dauert das Spiel für den tickernden Mann mindestens 145 Minuten, 145 hochfrequente Minuten: Denn am Ende eines Spieltages sind mehr als 100 Tickermeldungen pro Spiel keine Seltenheit!




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