Interview:
Der dpa-Sport-Chef zur WM in Südafrika:
"Es wird eine besondere
WM"
Sven Busch (43), Sportjournalist, Musiker
und TV-Moderator, ist seit 2007 Sportchef in der Hamburger Zentrale
der dpa. Busch volontierte von 1986 bis 1988 bei der größten deutschen Nachrichtenagentur und berichtete bis 1999 als ihr Korrespondent aus den USA. Danach war er u.a. Chefredakteur von "Eurosport" und Kommentator bei Premiere (Sky). Wir fragten ihn, wer Weltmeister wird in Südafrika.
dpa-Infocom: Herr Busch, gleich
Hand aufs Herz: Wer wird Fußball-Weltmeister 2010 in Südafrika?
Busch: Brasilien spielt unter
Dunga europäisch
wie lange nicht mehr, Spanien ist als Kollektiv eine Wucht, aber
ich glaube an den Rekord-Weltmeister. Vielleicht entwickelt auch
die Elfenbeinküste in der afrikanischen Heimat die nötige Konstanz,
um Weltmeister zu werden.
dpa-Infocom: Bei einer WM-Endrunde
hat noch nie ein afrikanisches Land das Semifinale erreicht.
Für
das kommende Jahr sehen Sie also Chancen?
Busch: Ich halte das für
sehr realistisch. Die Ivorer sind personell bärenstark besetzt,
und Südafrika hat beim Confed Cup gezeigt, dass der Gastgeber
durchaus zu Überraschungen in der Lage ist.
dpa-Infocom: Und Deutschland?
Wie schätzen Sie aus heutiger Sicht die Chancen des Löw-Teams
bei der WM ein?
Busch: Das Erreichen des
Viertel- oder Halbfinals ist meiner Meinung nach drin. Es heißt
ja immer so schön, Offensive gewinnt Spiele, Defensive Titel.
Die Löw'sche Defensive ist für mich nach wie vor eine
große Baustelle.
dpa-Infocom: Jede Baustelle braucht
eine Bauleitung: Kapitän Michael Ballack hat beim entscheidenden
Qualifikations-Spiel in Moskau wieder gezeigt, wie wichtig er
für
die Nationalmannschaft ist. Wem trauen Sie an der Seite des "Capitano"
noch eine tragende Rolle bei der WM zu?
Busch: Philipp Lahm ist schon
bei den Bayern eine Art heimlicher Kapitän, dessen Meinung viel Gewicht
hat. Auch Mertesacker hätte es von der Leistung und vom Intellekt
her drauf, aber er ist kein Lautsprecher. Und vorne bieten sich
Klose und Podolski an.
dpa-Infocom: Es scheint
sich zum Ritual zu entwickeln, dass Deutschland vor Weltmeisterschaften
die T-Frage stellt. Wir stellen sie jetzt auch: Welchen Torhüter
würde der Bundestrainer Sven Busch bei der WM in den Kasten
stellen?
Busch: Rene Adler, weil er die
größte Ruhe und das größte Selbstvertrauen
ausstrahlt, wenig Fehler macht, auch Unhaltbare hält und sehr
gut mitspielt.
dpa-Infocom: Südafrika, das
Kap der Guten Hoffnung ist weit weg, über 5.000 Kilometer: Wie hoch
wird das Interesse der deutschen Fans nach dem Sommermärchen im eigenen
Land von 2006 sein?
Busch: Wie ich höre,
hält sich das Reiseinteresse deutscher Fans bisher in Grenzen,
aber nach der Auslosung wird sich das sicher ändern.
dpa-Infocom: Die Fußball-Weltmeisterschaft
findet erstmals auf afrikanischem Boden statt. Was dürfen wir von
Südafrika erwarten außer dem lauten Krach der Vuvuzelas?
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Sven Busch freut sich auf eine kunterbunte
WM und tippt auf den Rekordweltmeister Brasilien als
Favoriten.
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Busch: Eine kunterbunte
WM mit hohem Unterhaltungswert. Die Welt wird afrikanische Rituale
entdecken, sich an der bezaubernden Landschaft berauschen und
viel über Afrikas Geschichte erfahren. Hoffentlich bleiben
die Gastgeber möglichst lange drin, sonst leidet möglicherweise
die Stimmung.
dpa-Infocom: Eines der
größten Probleme Südafrikas ist die hohe Kriminalität.
Die Sorge um eine sichere WM wächst immer mehr – auch
bei Ihnen? Müssen wir befürchten, dass Fußball-Fans
aus Angst um Ihre Sicherheit nicht nach Südafrika reisen?
Busch: Die Sicherheit ist
in der Tat auch meine größte Sorge. Wir versuchen alles,
um das Risiko für alle Kollegen möglichst gering zu halten.
Von Panikmache halte ich nichts, aber Naivität wäre in
Südafrika sicher fehl am Platz. Klar ist allerdings auch,
dass die Horrornachrichten vom Kap dafür sorgen, dass einige
Fans nicht nach Südafrika reisen.
dpa-Infocom: Wie schätzen
Sie die Arbeits-bedingungen vor Ort für die Kollegen von Wort und
Bild für eine schnelle, sichere und spannende Berichterstattung ein?
Busch: Jedes Land hat
seine eigenen Herausforderungen in diesem Bereich, und bisher
hat es noch überall geklappt. Ich erwarte diesbezüglich
keine größeren Probleme.
dpa-Infocom: Die dpa wird ausführlich
vom Turnier berichten. Wie hoch ist der Aufwand für die Agentur und
wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen?
Busch: Der Aufwand ist enorm
- wir planen bereits seit mehr als einem Jahr, aber die meisten
Hotels sind längst gebucht. Der Confed Cup hat uns wichtige
Erkenntnisse gebracht, sowohl logistischer Art als auch von den
Abläufen her. Insgesamt besteht unser Team aus 44 Mitgliedern,
darunter natürlich auch unsere Kollegen vom englischen,
spanischen und arabischen Dienst. Die ausländischen Kollegen
sind alles andere als Ergänzungsspieler, sondern spielen
in unseren Plänen eine wichtige Rolle. Es wird bestimmt
eine besondere WM. Wir freuen uns drauf.
dpa-Infocom: Herr Busch, wir danken
Ihnen für das Gespräch. |