dpa-infocom GmbH Newsletter Oktober 2009
Sportjahr 2010



Interview: Der dpa-Sport-Chef zur WM in Südafrika:

"Es wird eine besondere WM"

Sven Busch (43), Sportjournalist, Musiker und TV-Moderator, ist seit 2007 Sportchef in der Hamburger Zentrale der dpa. Busch volontierte von 1986 bis 1988 bei der größten deutschen Nachrichtenagentur und berichtete bis 1999 als ihr Korrespondent aus den USA. Danach war er u.a. Chefredakteur von "Eurosport" und Kommentator bei Premiere (Sky). Wir fragten ihn, wer Weltmeister wird in Südafrika.

dpa-Infocom: Herr Busch, gleich Hand aufs Herz: Wer wird Fußball-Weltmeister 2010 in Südafrika?

Busch: Brasilien spielt unter Dunga europäisch wie lange nicht mehr, Spanien ist als Kollektiv eine Wucht, aber ich glaube an den Rekord-Weltmeister. Vielleicht entwickelt auch die Elfenbeinküste in der afrikanischen Heimat die nötige Konstanz, um Weltmeister zu werden.

dpa-Infocom: Bei einer WM-Endrunde hat noch nie ein afrikanisches Land das Semifinale erreicht. Für das kommende Jahr sehen Sie also Chancen?

Busch: Ich halte das für sehr realistisch. Die Ivorer sind personell bärenstark besetzt, und Südafrika hat beim Confed Cup gezeigt, dass der Gastgeber durchaus zu Überraschungen in der Lage ist.

dpa-Infocom: Und Deutschland? Wie schätzen Sie aus heutiger Sicht die Chancen des Löw-Teams bei der WM ein?

Busch: Das Erreichen des Viertel- oder Halbfinals ist meiner Meinung nach drin. Es heißt ja immer so schön, Offensive gewinnt Spiele, Defensive Titel. Die Löw'sche Defensive ist für mich nach wie vor eine große Baustelle.

dpa-Infocom: Jede Baustelle braucht eine Bauleitung: Kapitän Michael Ballack hat beim entscheidenden Qualifikations-Spiel in Moskau wieder gezeigt, wie wichtig er für die Nationalmannschaft ist. Wem trauen Sie an der Seite des "Capitano" noch eine tragende Rolle bei der WM zu?

Busch: Philipp Lahm ist schon bei den Bayern eine Art heimlicher Kapitän, dessen Meinung viel Gewicht hat. Auch Mertesacker hätte es von der Leistung und vom Intellekt her drauf, aber er ist kein Lautsprecher. Und vorne bieten sich Klose und Podolski an.

dpa-Infocom: Es scheint sich zum Ritual zu entwickeln, dass Deutschland vor Weltmeisterschaften die T-Frage stellt. Wir stellen sie jetzt auch: Welchen Torhüter würde der Bundestrainer Sven Busch bei der WM in den Kasten stellen?

Busch: Rene Adler, weil er die größte Ruhe und das größte Selbstvertrauen ausstrahlt, wenig Fehler macht, auch Unhaltbare hält und sehr gut mitspielt.

dpa-Infocom: Südafrika, das Kap der Guten Hoffnung ist weit weg, über 5.000 Kilometer: Wie hoch wird das Interesse der deutschen Fans nach dem Sommermärchen im eigenen Land von 2006 sein?

Busch: Wie ich höre, hält sich das Reiseinteresse deutscher Fans bisher in Grenzen, aber nach der Auslosung wird sich das sicher ändern.

dpa-Infocom: Die Fußball-Weltmeisterschaft findet erstmals auf afrikanischem Boden statt. Was dürfen wir von Südafrika erwarten außer dem lauten Krach der Vuvuzelas?


Sven Busch freut sich auf eine kunterbunte WM und tippt auf den Rekordweltmeister Brasilien als Favoriten.

Busch: Eine kunterbunte WM mit hohem Unterhaltungswert. Die Welt wird afrikanische Rituale entdecken, sich an der bezaubernden Landschaft berauschen und viel über Afrikas Geschichte erfahren. Hoffentlich bleiben die Gastgeber möglichst lange drin, sonst leidet möglicherweise die Stimmung.

dpa-Infocom: Eines der größten Probleme Südafrikas ist die hohe Kriminalität. Die Sorge um eine sichere WM wächst immer mehr – auch bei Ihnen? Müssen wir befürchten, dass Fußball-Fans aus Angst um Ihre Sicherheit nicht nach Südafrika reisen?

Busch: Die Sicherheit ist in der Tat auch meine größte Sorge. Wir versuchen alles, um das Risiko für alle Kollegen möglichst gering zu halten. Von Panikmache halte ich nichts, aber Naivität wäre in Südafrika sicher fehl am Platz. Klar ist allerdings auch, dass die Horrornachrichten vom Kap dafür sorgen, dass einige Fans nicht nach Südafrika reisen.

dpa-Infocom: Wie schätzen Sie die Arbeits-bedingungen vor Ort für die Kollegen von Wort und Bild für eine schnelle, sichere und spannende Berichterstattung ein?

Busch: Jedes Land hat seine eigenen Herausforderungen in diesem Bereich, und bisher hat es noch überall geklappt. Ich erwarte diesbezüglich keine größeren Probleme.

dpa-Infocom: Die dpa wird ausführlich vom Turnier berichten. Wie hoch ist der Aufwand für die Agentur und wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen?

Busch: Der Aufwand ist enorm - wir planen bereits seit mehr als einem Jahr, aber die meisten Hotels sind längst gebucht. Der Confed Cup hat uns wichtige Erkenntnisse gebracht, sowohl logistischer Art als auch von den Abläufen her. Insgesamt besteht unser Team aus 44 Mitgliedern, darunter natürlich auch unsere Kollegen vom englischen, spanischen und arabischen Dienst. Die ausländischen Kollegen sind alles andere als Ergänzungsspieler, sondern spielen in unseren Plänen eine wichtige Rolle. Es wird bestimmt eine besondere WM. Wir freuen uns drauf.

dpa-Infocom: Herr Busch, wir danken Ihnen für das Gespräch.




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